Regulatorische Treiber wie GDPR und PSD2 in Europa und CDR in Australien ermöglichen dem Kunden mehr Eigenverantwortung und Kontrolle über seine persönlichen Daten. Dadurch wird der Kunde zunehmend in die Lage versetzt, einem Dienstleister seiner Wahl leichteren Zugang zu seinen Daten auf der Basis seiner Einwilligung zu gewähren. Dieser Trend beschleunigt sich über Länder, Branchen und Marktteilnehmer hinweg und so bewegen wir uns auf eine offene Datenökonomie zu. In dieser entstehenden Landschaft werden Daten zwischen Organisationen unter der Kontrolle des/der Rechteinhaber(s) ausgetauscht und von Dritten zur Verbesserung oder Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Dienstleistungskonzepte verwendet. Diese erhöhte Verfügbarkeit von Daten bringt den Versicherern neue Möglichkeiten, Risikomodelle aufzubauen oder zu verbessern und neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. In einem ersten Schritt können Versicherer bereits damit beginnen, aus der Open Data Economy Profit zu schlagen, indem sie nützliche Anwendungsfälle untersuchen, die durch PSD2 (XS2A) und Open Banking ermöglicht werden.

Der Konto-Zugang (XS2A) unter PSD2 bietet den Versicherern neue Möglichkeiten

Eine wesentliche Entwicklung, die zu konkretem Eigentumsrecht der Kunden und zur Kontrolle über die Daten beiträgt, ist im europäischen Finanzsektor sichtbar, wo PSD2 es den Kunden ermöglicht, einem Dritten Zugang zu ihrem Zahlungskonto zu gewähren (XS2A). Auf der Grundlage der Einwilligung des Kunden kann die Drittpartei Kontoinformationen vom Zahlungskonto des Kunden abrufen (die Salden und die Transaktionshistorie umfassen) oder Zahlungen vom Zahlungskonto des Kunden veranlassen.

Open Banking eröffnet zusätzliche Chancen für Versicherer

Ein sichtbarer Trend im entstehenden PSD2-Ökosystem ist die Öffnung der Banken für Daten und Funktionen über XS2A hinaus, wie z.B. Informationen über andere Kontoarten, Identitätsdaten der Kunden, sowie aggregierte und anonymisierte Informationen über ihren Kundenstamm.  Der INNOPAY Open Banking Monitor bietet einen umfassenden Überblick über die "Masters in Openness", die über die bloße Gesetzeserfüllung hinausgehen. Auch hier basiert der gesamte Zugang zu diesen Daten und Ressourcen auf der Einwilligung des Kunden.

Die Daten und Funktionalitäten, welche als Folge des Trends zur Offenheit im Bankwesen verfügbar werden, ermöglichen vorteilhafte Anwendungsfälle für Versicherer, über ihre traditionelle Wertschöpfungskette hinweg und darüber hinaus. Mögliche Anwendungsfälle sind in Abbildung 1 zusammengefasst.

Open insurance value
Abbildung 1: Anwendungsfälle im gesamten Wertschöpfungsmodell für Versicherungen, basierend auf dem Umfang der Kundendaten, die zur Realisierung des Anwendungsfalles benötigt werden

Im folgenden Abschnitt wird eine Auswahl von neun Anwendungsfällen näher erläutert.

Beispiele für Anwendungsfälle für Versicherer, die auf Daten und Funktionalität im Rahmen von PSD2 XS2A basieren

Einige ausgewählte Anwendungsfälle, die auf der unter PSD2 XS2A verfügbaren Funktionalität basieren, sind:

  1. IBAN-Namensprüfung: Ein IBAN-Namensprüfung trägt zur Verringerung von Betrug bei und erleichtert die Prüfung der Authentizität des Kontoinhabers. Außerdem wird die Anzahl der aufgrund einer falsch registrierten IBAN erforderlichen Korrekturüberweisungen reduziert;
  2. Verbesserter Lastschrifteinzugsprozess: Die Überprüfung des Kontostandes vor der Einleitung von Zahlungsaufforderungen (Lastschriftverfahren), reduziert die Anzahl der zurückgewiesenen Anfragen. Darüber hinaus hat der Versicherer durch die Zahlungsauslösung die Möglichkeit, personalisierte Zahlungserinnerungen zu versenden, wodurch die Kosten für das Debitorenmanagement gesenkt werden;
  3. Verbessertes Aufnahmeverfahren: Da die Kontodaten eine Risikoprofilierung auf einer anderen Basis ermöglichen, können sie sich als hilfreich für schnellere, effizientere oder gar automatisierte Kundenabschlüsse erweisen;
  4. Individuelle Finanzberatung: Kontodaten ermöglichen einen detaillierten Einblick in das Ausgabeverhalten und die finanzielle Lage eines Kunden, der für eine persönliche Finanzberatung genutzt werden kann;
  5. Personalisierte oder dynamische Prämienberechnung: Risikoprofilerstellung auf der Grundlage von Kontodaten ermöglicht Strategien und Mittel für personalisierte Beitragsangebote;
  6. Zusätzliche Zahlungsmethoden: Angebot einer Alternative zu traditionellen Lastschriften für Prämienzahlungen und Zahlungen für (Ad-hoc-)Zusatzdienstleistungen.

Beispiele für Anwendungsfälle für Versicherer, die auf Open Banking-Daten und Funktionalität basieren

Mehr Funktionalitäten und Kundendaten werden verfügbar, wenn Finanzinstitute sich zunehmend über die PSD2 hinaus öffnen und Daten, Funktionalitäten und Produkte über APIs verfügbar machen. Im Folgenden werden drei ausgewählte Anwendungsfälle (auf der Grundlage von Daten und Funktionen, die derzeit von ausgewählten Banken angeboten werden) beschrieben, die für Versicherer von besonderem Nutzen sein können: 

  1. Verbesserte persönliche Finanzmanagementdienste: Versicherungsgesellschaften, die Anwendungen für die persönliche Finanzverwaltung anbieten, können eine Funktion zum Abrufen aller Konten (z.B. Konten im Zusammenhang mit Sparen, Kreditkarten, Hypothek, Rente, Investitionen) auf einmal anbieten;
  2. Abruf der aktuellen Benutzeradresse: Da die Kunden in der Regel eher dazu neigen, ihre Adresse bei ihrer Bank rechtzeitig zu aktualisieren, können die Versicherer den Kunden durch Überprüfung der letzten bekannten Adresse bei der Bank entlasten;
  3. Kunden-ID überprüfen: Versicherer können die Wahrscheinlichkeit von Identitätsbetrug verringern, indem sie die API-Identifizierungsfunktionen der Banken in den Onboarding-Prozess der Versicherung einbeziehen.

Schlüsselfaktoren für den Erfolg bei der Exploration neuer Geschäftsmodelle in Bezug auf PSD2 und Open Banking

Die Daten und Funktionalitäten, die zugänglich werden, bieten den Versicherern ein breites Spektrum an Chancen. Obwohl die Versicherer gut positioniert sind, um diese Möglichkeiten zu nutzen, gibt es einige wichtige Erfolgsfaktoren, die es zu berücksichtigen gilt.

Erstens müssen die Versicherer eine sichere und kostengünstige API-Konnektivität mit den Banken ermöglichen. Es ist entscheidend, den richtigen Dienstleister auszuwählen, der diese Konnektivität "as a Service" anbieten kann, um zu Ihren Anforderungen und strategischen Zielen beizutragen.

Zweitens sollten die Versicherer über eine klare und transparente Einwilligungsstrategie nachdenken. Die Kunden müssen sich der Daten, die sie freigeben, und des Zwecks, für den sie verwendet werden, voll bewusst sein. Die Sicherung des Gleichgewichts zwischen freigegebenen Daten und empfangenem Nutzen ist von größter Bedeutung, um die Kunden zur Freigabe ihrer Daten zu bewegen.

Drittens müssen die erforderlichen Daten, sobald sie mit der Zustimmung des Kunden abgerufen wurden, aufgearbeitet werden. Es besteht ein Bedarf an fundierten

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