Maarten Bakker
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Jeden Tag teilen mehr als eine Milliarde aktive Nutzer ihre Gedanken, Fotos, Nachrichten, Videos, Memes und mehr mit Freunden und Verbindungen auf Facebook. Mit Daten aus Girokonten wissen Banker, was ihre Kunden essen, wo sie ihre Kleidung kaufen und was sie online treiben. In der Welt von heute und morgen werden (persönliche) Daten durch die Digitalisierung all unserer alltäglichen Interaktionen immer verfügbarer und leichter geteilt. Neue Konnektivitätstechnologien (z. B. APIs) ermöglichen es Verbrauchern und Unternehmen, immer mehr Daten mit verschiedenen Parteien zu teilen, die wiederum mit diesen Daten Kasse machen. Diese häufige und relevante Wechselbeziehung von Unternehmen mit ihren Kunden bildet die Grundlage für neue Geschäftsmodelle in neuen Ökosystemen.

Um auf diesen Trend zu reagieren, öffnen sich die Banken und schaffen neue Möglichkeiten für dritte Parteien. Diese neuen transaktionalen Ökosysteme konzentrieren sich auf das Sammeln von Daten und bieten neue Produkte und Dienstleistungen rund um diese Transaktionen an. Die Bezahlung (Funktionalität) als solche rückt in den Hintergrund. Versicherungsunternehmen können die neuen Wertschöpfungsmöglichkeiten nutzen, wenn sie zu Schlüsselakteuren in diesen neuen Ökosystemen werden. Es ist eine große Chance, die derzeit oft zufälligen Kundeninteraktionen zu einer interaktiveren und damit relevanteren Beziehung umzugestalten.

Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich Versicherungsunternehmen ernsthaft mit dem Konzept der Öffnung beschäftigen.Sie befinden sich bestenfalls in einer Sondierungsphase hinsichtlich einer neuen Welle von Daten und Funktionalitäten, die durch Open Banking zugänglich gemacht werden. Die Folge ist, dass sie ins Hintertreffen geraten werden.

Seven use cases in PSD2 and Open Banking for insurance companies
Abbildung 1: Sieben PSD2 und Open Banking bezogene Anwendungsfälle für Versicherungsunternehmen

Es ist Zeit für Versicherungen, sich mit PSD2 und Open Banking zu beschäftigen

Mit der neuen und viel diskutierten überarbeiteten europäischen Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) wollen die Regulierungsbehörden den Wettbewerb ankurbeln, Kunden schützen und Innovationen im Bereich der digitalen Transaktionen fördern. Die PSD2 bringt verschiedene Änderungen mit sich: Vor allem das Element des Zugangs von Drittanbietern zu Konten (XS2A) wird von Drittanbietern (TPP) mit Spannung erwartet. Und obwohl die erwartete Ökosystem-Revolution, die von den PSD2-Evangelisten versprochen wurde, noch nicht in Sicht ist [1], hat PSD2 das Nachdenken über "Open Banking" und dessen Umsetzung angestoßen.

Die ersten wichtigen Schritte sind getan, und der Funke des Open Banking ist definitiv übergesprungen, wenn man bedenkt, dass fast alle Banken daran arbeiten, zusätzliche Funktionen über ihre API-Entwicklerportale zugänglich zu machen [2]. Außerdem werden inspirierte Parteien von sich aus aktiv und schaffen neue Interaktionsmöglichkeiten, bei denen Kunden über eine Drittanbieter-App Zugriff auf ihre Kontoinformationen haben. Ein gutes Beispiel dafür sind die Multibanking Bestrebungen vieler deutscher Banken, bei der Kunden ihre Kontoinformationen aller Banken über eine der Apps der jeweiligen Bank einsehen können.

Angesichts des aktuellen Stands der Entwicklung rund um die Öffnungsbestrebungen bei Banken ist jetzt der Moment für Versicherungsunternehmen, die Chancen der Offenheit zu nutzen. Sie sollten nicht warten, bis sich auch für Versicherungen die Regulierung um die aktuellen Herausforderungen herum herauskristallisiert hat und riskieren, von Akteuren, die handeln, überholt zu werden.

Wie könnte es konkret aussehen: Open Banking Use Cases für Versicherungsunternehmen

INNOPAY hat eine Reihe erster Anwendungsfälle für Versicherungsunternehmen definiert. Die Anwendungsfälle wurden auf die wichtigsten Werttreiber für Versicherungen gemappt, um die Relevanz zu erfassen und zu sehen, wo genau die Anwendungsfälle Wert schaffen. Das Mapping ist in Abbildung 1 dargestellt und eine erste Beschreibung der Anwendungsfälle wird unten gegeben.

  1. Ein neues (Cyber-)Versicherungsprodukt für ein neues Kundensegment: Versichern Sie Drittanbieter (TPPs) im neuen PSD2-Markt: Die gemeinsame Nutzung von Daten durch Dritte impliziert neue (Cyber-)Risiken und damit eine Rechenschaftspflicht im Falle von Datenverletzungen. Speziell für PSD2 benötigen PISPs und AISPs (TPPs), um unter PSD2 zugelassen bzw. registriert zu werden, eine professionelle Haftpflichtversicherung oder eine vergleichbare Garantie. Diese wird vor allem zur Absicherung der Haftung gegenüber kontoführenden Zahlungsdienstleistern (z.B. Banken) benötigt. Die ersten Spezialisten drängen bereits in diesen Marktraum, wie Protean Risk, die von Lloyd's of London gezeichnet wird. [3]
  2. Verbesserte Deal-Engines: PSD2 ermöglicht Dritten den Zugriff auf Zahlungskontoinformationsdaten (AIS). Diese Daten können ausgewertet werden und relevante Erkenntnisse über das Kundenverhalten können extrahiert werden. Dieses Verhalten kann dann z. B. für Versicherungen ausgegeben werden, um zu sehen, ob dem Kunden ein besseres Angebot gemacht werden kann, oder es kann nach Mustern gesucht werden, die ein besseres Risikoprofil und damit eine bessere Preisgestaltung bei Versicherungsprodukten für den Kunden implizieren können.
  3. Verbesserung der personalisierten Beratung: Neben dem Mining können die Daten auch zur Verbesserung der personalisierten Beratung genutzt werden. Obwohl TPPs per Gesetz nur die Kontoinformationen der Kunden präsentieren dürfen, können Versicherungsunternehmen diese Informationen nutzen, um Ratschläge zur finanziellen Situation der Kunden zu geben.
  4. Optimierung des Claims Managements: Zusammen mit anderen Datenquellen können Kontoinformationen, die von den Banken der Kunden zur Verfügung gestellt werden, genutzt werden, um neue Datensätze zu erstellen, die zur Verbesserung der Abstimmung und zur Rückerstattung des richtigen Betrags an die Kunden verwendet werden können und bessere Erkenntnisse über möglichen Betrug liefern (indem z. B. die Ausgabenmuster der Kunden betrachtet werden).
  5. Aktualisierte Kundendaten: Obwohl es noch keinen Open-Banking-Standard gibt und alle Banken ihre eigene Sichtweise und Strategie zur Öffnung von Daten über die PSD2-Compliance hinaus entwickeln, gibt es bereits gute Beispiele, auf denen Versicherungsunternehmen aufbauen können. Zum Beispiel verfügen Banken oft über genaue, verifizierte Adressdaten ihrer Kunden. Wenn Versicherungsunternehmen Zugang zu diesen Daten haben, wird die Qualität ihrer Kundendatensätze steigen. Dies wird die Konversionsrate bei der Kundenansprache verbessern und gleichzeitig ein besseres Kundenerlebnis bieten.
  6. Ausweitung des Leistungsangebots auf die Bereitstellung von Kontodienstleistungen: Mit der Möglichkeit, eine Transaktion (PIS) im Namen des Kunden auszuführen oder verfügbare Mittel zu prüfen (CAF), ist der Funktionsumfang von PSD2 begrenzt. Aber in Kombination mit der Open-Banking-Funktionalität können Versicherungsunternehmen nach Möglichkeiten suchen, ihre eigenen Dienstleistungen durch das Anbieten von Kontodienstleistungen zu erweitern. Durch die Fokussierung auf spezifische Kundenbedürfnisse wird die Kundenbindung erhöht. Zum Beispiel können Versicherungsunternehmen, die Vermögensverwaltungsdienste anbieten, dedizierte Zahlungskonten für das Studium von Kindern oder die Altenpflege in ihre Produkte integrieren.
  7. Digitale Identitätsprüfung: Banken können bei der Identifizierung einer Person während eines digitalen Onboarding- oder digitalen Identitätsprüfungsprozesses helfen. Diese Funktionalität wird zum Beispiel bereits von den Banken in den Niederlanden im Rahmen des iDIN-Programms betrieben.

Bevor Versicherungsunternehmen vorpreschen und in potenzielle Anwendungsfälle investieren, müssen sie sich fünf strategische Fragen stellen. Klare Antworten helfen ihnen, die kommenden Herausforderungen zu meistern und sicherzustellen, dass sich ihre Investitionen lohnen.

  • Wie erhöht Offenheit die Relevanz für unsere Kunden?
  • Welche Fähigkeiten benötigen wir, um PSD2 und Open Banking zu nutzen?
  • Wie können wir mit der InsurTech-Szene, die bereits Services rund um PSD2 und Open Banking entwickelt, zusammenarbeiten, um die Entwicklung zu beschleunigen?
  • Was können wir von Banken und anderen Parteien lernen, die sich mit ihren Ökosystemen verbinden?
  • Wie können wir die richtigen Talente anziehen, um diese neuen Möglichkeiten zu nutzen?

In unseren nächsten Blogs wird INNOPAY die vorgestellten Innovationsmöglichkeiten von PSD2 und Open Banking weiter untersuchen und darauf eingehen, wie Versicherungsunternehmen ihre wichtigsten Fragen in diesem Bereich angehen können. In der Zwischenzeit zögern Sie bitte nicht, uns zu kontaktieren, wenn Sie sich an der Diskussion beteiligen oder mehr darüber erfahren möchten, wie wir Ihrem Unternehmen helfen können.

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[1]https://www.innopay.com/blog/banks-should-open-up-beyond-psd2-to-deliver-on-the-innovation-promise/
[2]https://www.innopay.com/blog/innopay-open-banking-monitor-who-are-the-masters-in-openness/
[3]https://www.proteanrisk.com/what-we-do/business-insurance-2/psd2-insurance/

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