Seit der offiziellen Vorstellung des SCT Inst Schemes durch den European Payment Council im Jahr 2016 sind mittlerweile 2089 Institute [1] aus 20 Ländern dem Scheme beigetreten. Diese Zahl kann durchaus als Erfolg angesehen werden und zeigt, dass Banken in ganz Europa das Thema Instant Payments auf der Agenda haben. Das Verständnis für die strategische Bedeutung und die Umsetzung von Instant Payments im gesamten SEPA-Raum könnte allerdings kaum unterschiedlicher sein und erstreckt sich über eine Bandbreite von „New Normal“, also der (geplant) vollständigen Ablösung von SEPA SCT durch Instant Payments, bis hin zu einem „Premiumservice“ mit dedizierten Gebührenmodellen, zusätzlich zur Standardüberweisung. Dies hat weitreichende Folgen für die Marktakzeptanz der neuen Zahlungsmethode auf Seiten der Privat- und Firmenkunden sowie die Entwicklung von Mehrwertdiensten, welche auf der real-time Verarbeitung von Zahlungen aufbauen.

In Deutschland ist derzeit eine äußerst starke Fragmentierung hinsichtlich der Umsetzung von Instant Payments zu beobachten. Im Vergleich zu manchen anderen Ländern sind Instant Payments in Deutschland weit vom Status des „New Normal“ entfernt. Mehrwertdienstleistungen basierend auf diesem neuen Verfahren, wie u.a. Peer-to-Peer oder Point-of-Sale Zahlungen, oder ein Cash- und Liquiditätsmanagement-Lösungen, sind auch deswegen noch kaum zu finden.

Ein kollaborativer Ansatz aller Marktteilnehmer, kann dabei die weitere Entwicklung von solchen Anwendungsfällen im besten Interesse des Kunden beschleunigen bzw. erst ermöglichen.

Instant Payments sind in Deutschland nicht das „New Normal“

Dass Instant Payments in Deutschland noch nicht als das „New Normal“ verstanden werden, lässt sich an drei Hauptfaktoren festmachen. Neben der begrenzten Kooperation unter den Marktteilnehmern sind dabei vor allem die Positionierung von Instant Payments gegenüber Endkunden sowie die unterschiedlichen Gebührenmodelle zu nennen.

"New Normal" für Instant Payments - Faktoren & Vorteile
Abbildung 1: "New Normal" für Instant Payments - Faktoren & Vorteile

1. Kooperation ziwschen Banken: Eine Kooperation zwischen deutschen Banken hat nur im begrenzten Umfang stattgefunden

Eine koordinierte Einführung von Instant Payments hat in Deutschland nicht stattgefunden und einige wichtige Akteure haben Instant Payments noch immer nicht in Betrieb genommen. Das führt dazu, dass Kunden bis zur Ausführung der Zahlung im Ungewissen sind, ob diese als Instant Payment abgewickelt werden kann, da beispielsweise die ausführende Bank bereits am Scheme teilnimmt, die empfangende Bank jedoch nicht.

In anderen SEPA Ländern, wie z.B. den Niederlanden und Belgien, hat ein koordinierter Markteintritt von Instant Payments stattgefunden. Die Vorteile dieses Ansatzes liegen sowohl auf Seiten der Privat- und Firmenkunden als auch auf jener der Banken. Zum einen profitieren die Nutzer, Privat- und Firmenkunden von der sicheren Abwicklung von Instant Payments bei allen teilnehmenden Banken. Zum anderen profitieren Banken von einem gemeinsamen Marktstart, Netzwerkeffekten und der Möglichkeit einer kollaborativen Entwicklung von neuen Anwendungsfällen basierend auf Instant Payments.

In den Niederlanden werden Instant Payment bereits als „New Normal“ verstanden. Wie in Belgien wird in den Niederlanden die maximale Transaktionszeit von 10 Sekunden auf 5 Sekunden reduziert und das Limit des maximalen Überweisungsbetrages wegfallen. Im Unterschied zu Belgien werden in den Niederlanden keine Gebühren für Instant Payment anfallen und die Instant Payment Überweisung die Standard SEPA Überweisung ersetzten. Frankreich und Deutschland setzen hingegen auf ein langsameres Wachstum des Instant Payment Volumens und die Standard SEPA Überweisung wird mittelfristig die gängigste Zahlungsmethode für Account-to-Account Zahlungen bleiben.

 

Instant Payment Faktoren auf Länderebene; Status Juni 2019
Tabelle 1: Instant Payment Faktoren auf Länderebene; Status Juni 2019

Darüber hinaus hat sich der deutsche Markt nicht auf gemeinsame Standards geeinigt, die über die Vorgaben des Schemes hinausgehen. Das SCT Inst Regelwerk bietet die Möglichkeit, den maximalen Überweisungsbetrag über den vom Scheme vorgesehenen Betrag von aktuell € 15.000 zu erhöhen. Eine Erhöhung oder gar der Verzicht des maximalen Überweisungsbetrags öffnet neue Anwendungsfelder insbesondere im Geschäftskundensegment. Andere Länder haben bereits vorgemacht, dass der maximale Überweisungsbetrag angehoben beziehungsweise ganz aufgehoben werden kann. Dadurch wird die Komplexität auf Kundenseite reduziert und das Spektrum relevanter Anwendungsfälle erweitert.

Ebenso wenig hat sich der deutsche Markt nicht auf eine Senkung der maximalen Transaktionszeit von 10 Sekunden für die Abwicklung einer Instant Payment Transaktion geeinigt. Das mag auf den ersten Blick nicht erheblich wirken, kann aber genau wie das niedrige maximale Überweisungslimit gewisse Anwendungsfälle einschränken. Zum Beispiel wird die maximale Transaktionszeit von 10 Sekunden für POS-Zahlungen als unzureichend angesehen. Unter anderem deshalb haben sich Finanzdienstleiter in Belgien und den Niederlanden auf eine Transaktionszeit von maximal 5 Sekunden geeinigt.

2. Positionierung gegenüber traditionellen Zahlungsmethoden: Kunden müssen sich entscheiden, ob sie eine Standard- oder Echtzeitüberweisung ausführen wollen

Für Bankkunden in Deutschland kommt durch Instant Payments nun ein neuer Prozessschritt hinzu, welcher die Kundenerfahrung verkompliziert. Die Benutzeroberfläche der Anwendungen von Finanzdienstleistern gestaltet sich heute schon zum Teil komplex. Eine große Anzahl an Dienstleistungen und Produkten werden über das Onlinebanking-Portal oder die eigens entwickelten Apps angeboten. Mit Instant Payments muss sich der zahlende Kunde nun entscheiden, ob er eine Standard- oder Echtzeitüberweisung ausführen möchte. Für viele kann dies bereits zur Verwirrung führen, da dies im Vorfeld evtl. nicht verständlich genug seitens der Bank kommuniziert wurde. Dazu kommt, dass viele Banken noch keine Instant Payments empfangen oder auslösen können. Wie bereits in Punkt 1 erwähnt, ist dies für den Zahler nicht ersichtlich, wodurch er abhängig von der Bank des Empfängers unterschiedliche Überweisungsoptionen zur Verfügung hat und eine verständliche und konsistente Benutzererfahrung hierdurch erschwert wird. In anderen Ländern, wie den Niederlanden, wird den Kunden dieser Schritt erspart. Wenn eine Transaktion innerhalb der Niederlande abgewickelt werden soll, wird diese automatisch als Instant Payment behandelt, wohingegen Transaktionen in den übrigen SEPA Raum mit einer SEPA Standardüberweisung bedient werden.

3. Gebührenmodell: Instant Payments werden in Deutschland überwiegend als kostenpflichtiger Premiumservice positioniert

Noch deutlicher werden die Unterschiede zum Vorgehen in den Niederlanden, wenn Instant Payments im Kontext der Gebührenmodelle deutscher Finanzdienstleister betrachtet werden. Hier zeigt sich, dass viele Banken eine fixe Gebühr für die Ausführung von Instant Payments verlangen. Andere Banken haben sich dazu entschieden, Instant Payments in das „Premium Kontomodell“ zu integrieren und Premiumkunden keine extra Kosten für die Ausführung in Rechnung zu stellen. Die Preisspanne für Instant Payments im deutschen Markt streckt sich von € 0,00 bis ca. € 3,00 für ausgehende Zahlungen im Privatkundensegment. Darüber hinaus erheben einige Kreditinstitute sogar eine Gebühr für eingehende Zahlungen. In den Niederlanden werden für Instant Payments als das „New Normal“ keine zusätzlichen Gebühren im Vergleich zu Standard-SEPA-Überweisungen erhoben.

Eine Kernfrage innerhalb der Industrie bleibt weiterhin, wie sich der Instant Payments Service neben der Erhebung einer fixen Transaktionsgebühr monetisieren lässt. Da die meisten deutschen Finanzdienstleister das Angebot wie bereits erwähnt als Mehrwertdienst und Premiumservice verstehen, sollen die Investitionen in Instant Payments bei manchen Banken durch einen teilweise kostenpflichtigen Service wieder eingespielt werden. Die Grundidee der Regulierungsbehörden Instant Payments im Wettbewerb zu Bargeld und Kartenzahlungen zu stellen, welche für Konsumenten in der Regel gebührenfrei zur Verfügung stehen, wird somit konterkariert.

Instant Payments öffnen Finanzdienstleistern die Chance für Privatkunden, ein besseres Zahlungserlebnis zu schaffen, Mehrwertdienste zu entwickeln und Konkurrenzprodukte zu gängigen Point-of-Sale und E-Commerce Zahlungsmethoden zu etablieren. Für Firmenkunden ermöglichen Instant Payments unter anderem neue Möglichkeiten im Liquiditätsmanagement, höhere Effizienz und niedrigere Transaktionskosten. Eine wichtige Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung der benannten Anwendungsfälle ist, dass Instant Payments als „New Normal“ angesehen werden und neue Mehrwertdienste rundum Instant Payments entwickelt werden. Nur so kann das Potential von Instant Payments ausgeschöpft werden.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie sich Instant Payments auf das Geschäftsmodell von Finanzdienstleistern auswirken wird und welche Mehrwertdienstleistungen mit Hilfe von Instant Payment entwickelt werden können, wenden Sie sich bitte an Joris Eckrich (joris.eckrich@innopay.com) oder Patrick de Haan (patrick.dehaan@innopay.com).

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[1] Quelle: European Payments Council (Stand: 12.07.2019)